Hier möchte ich einige, häufig gestellte Fragen beantworten

 

1. Warum dauert eine Unterrichtseinheit nur 30 Minuten?

Zum Einen, weil Pferd und Reiter sich maximal so lange am Konzentrieren können. Zum anderen, weil es keinen Sinn ergibt ein Pferd beim trainieren einen Muskelkater zuzufügen. Ein Pferd mit Muskelkater wird ein unmotiviertes Pferd. Welches Lebewesen führt schon gerne Übungen aus, die ihm weh tun? Deshalb lieber wenige, gut ausgeführte Wiederholungen die für alle Beteiligten ein Erfolgserlebnis mit sich bringen!

2. Warum reiten meine Schüler und ich ohne Sperriemen und ohne Reithalfter,

bzw. mit einem sehr locker verschnallten Reithalfter?

Das Reithalfter hatte ursprünglich den Zweck bei einem Sturz am Hindernis  Sperren und die dadurch verbundenen Kieferbrüche zu verhindern. Wird das Reithalfter eng verschnallt, macht es einen lockeren Unterkiefer unmöglich. Dieser entsteht durch eine Entspannung der Halsmuskulatur. Oder andersherum - man kann auch durch ein Lockern des Unterkiefers das Pferd entspannen. Der Sperriemen widerspricht dieser Philosophie komplett.

3. Welche Voraussetzungen müssen Pferd und Reiter für die klassische

Dressur, wie ich sie verstehe und lehre, erfüllen?

Das Pferd (oder selbstverständlich auch das Pony) und der Reiter sollten gesund sein und eine passende Ausrüstung besitzen. Rasseeinschränkung gibt es für mich in der Dressur nicht, da sie ja nicht um der Lektionen willen geritten wird, sondern für die Gesunderhaltung des Pferdes. Krankengymnastik oder Rückenschulungen tun ja ebenfalls nicht nur hochtalentierten Spitzensportlern gut, sondern uns allen. Der Reiter sollte Spaß an der Arbeit mit seinem Pferd haben und dazu lernen wollen.

4. Warum "muß" eine Traberstute Dressur gehen? Ein Traber ist doch dafür gar

nicht gezüchtet...

Ich habe Novaja damals nicht gekauft, um zu beweisen, daß ich mit einem Traber Lektionen reiten kann. Ich habe Dank dieses Pferdes und mit diesem Pferd gelernt, daß sie nur durch die Dressurarbeit gesünder, vertrauensvoll, ausbalancierter, schöner bemuskelt, rittiger und ruhiger wird. Dressur dient der Gesunderhaltung des Pferdes - und das gilt für jedes Pferd! Manche Lektionen wird Novaja sicherlich nie beherrschen, muß sie auch nicht. Denn mir geht es darum, daß es ihr gut geht und wir gemeinsam Spaß haben. Wenn bei der gemeinsamen Arbeit die ein oder andere schöne Lektion(wie die Passage) erarbeitet werden kann, freut es mich natürlich. Und ich habe den Eindruck, Novaja ist dann ebenfalls stolz. Aber erzwingen würde ich nichts. Denn ich möchte die gute gemeinsame Basis, die wir haben und auf Grund derer sich Novaja für mich massiv ins Zeug legt (meistens zumindest) nicht zerstören.

5. Warum reite ich Solaris noch nicht, warum wird so spät angeritten?

Die grundlegende Philosophie, aufgrund der ich so "spät" anreite, ist eine andere als im Turniersport. Prinzipiell muss ich dazu sagen, dass meine Pferde für mich Haustiere sind und keine Zweckbindung haben (außer dass ich Freude an ihnen haben möchte), vielleicht ändert das auch die Sichtweise bei manchen Dingen.
Jedenfalls möchte ich meinem Pferd die nötige Zeit geben um in Ruhe körperlich und geistig erwachsen zu werden. Solaris ist übrigens rassebedingt zusätzlich noch sehr spätreif. Mir ist sehr wichtig, dass das Pferd verstehen lernt, was der Mensch von ihm möchte, was die Kommandos bedeuten und sich erst einmal ohne Reitergewicht in den ungewohnten Bewegungsabläufen auszubalancieren lernt. Stimmkommandos lernt das Pferd ja bereits im täglichen Miteinander und bei der Bodenarbeit. Bei der Handarbeit und durch sinnvolle Longenarbeit baut das Pferd Muskulatur auf, die Bänder und Sehnen werden auf die Belastung durchs Geritten werden vorbereitet Ich persönlich lockere das Programm noch mit Bodenarbeit (z.B. Stangen-L), Zirkuslektionen, Freiarbeit und Ausritten als Handpferd auf.
Dass bei Sportpferden oder Auktionspferden die Prioritäten komplett anders gesetzt und schon aus rein wirtschaftlichen Gründen das Alter des Einreitens oder Einfahrens eine ganz andere Rolle spielt, versteht sich natürlich von selbst.