Mein Name ist Black Jack, aber alle nennen mich einfach nur Jack. Ich bin circa 8 Jahre alt. Mein Frauchen Tanja hat mich 2006 in München gekauft. In der Verkaufsanzeige stand, dass ich ein Friesen-Mix bin, da sind sich aber Tanja und meine Reitbeteiligung Heidi nicht so sicher.

Tanja wollte eigentlich kein Pferd mehr kaufen, nachdem ihr Bubi gestorben war. Aber dann hat sie sich doch ungesehen und mich im Internet entdeckt. Sie wollte auch auf keinen Fall das erste Pferd kaufen, das sie sich ansieht. Man kauft ja auch nie im Leben das erstbeste Pferd das man sich anguggt (*nie!*). Ich war ihr auch zu jung und zu klein. Aber ich sah auf dem Bild so nett aus, dass sie mich einfach nur so mal anschauen wollte. Naja, jedenfalls war ich dann so keck, dass mich Tanja und ihr Mann mitgenommen haben.

Da hatte ich noch nie einen Reiter auf mir. Ich war aber so cool, dass ich als Therapie-Pferd geeignet war. Nachdem sie Tanja erzählt haben, dass ich schon vier Jahre alt wäre (ich war aber höchstens drei), hat sich mich zu einem Westernreiter in Beritt gegeben. Das klappte erstmal ganz gut, dann wurde mir das aber zuviel und ich habe mich mit Bocken gewehrt.

Als ich wieder zu Hause war, war eines Tages meine Coolness weg und ich fand die Welt ganz fürchterlich. Mein Frauchen hatte es so schwer mit mir, weil ich so unberechenbar war, dass sie mich wieder verkaufen wollte. Ich war mal einen ganzen Sommer lang nicht reitbar, weil ich so viel erschrocken bin und dann so heftig reagiert habe, dass es für Tanja richtig gefährlich wurde. Doch ihr Mann konnte sie davon überzeugen, dass sie es weiter mit mir versucht.

Unsere schweren Zeiten waren aber noch nicht vorbei. Tanja und ich waren dann mal auf dem Reitplatz, ich verlor in der Ecke mein Gleichgewicht und wir sind hingefallen. Mein Frauchen hat sich wehgetan und wir hatte eine Zwangspause. Es kam dann eine neue Reitlehrerin an unseren Hof, die Dressur unterrichtete. Alle waren ganz begeistert von ihr und so hing mein Frauchen den Westernsattel an den Nagel und wir sind in die Dressur eingestiegen. Wir hatten viele Reitstunden und ich war auch bei dieser Reitlehrerin in Beritt.

Das hat zunächst auch gut geklappt und ich lernte schnell. Auch meine heftigen Reaktionen wurden besser. Zu der Zeit kam dann auch Heidi immer öfter zu mir. Sie hat vor mir ein anderes Pferd in unserem Stall geritten, das dann mit seiner Besitzerin ganz weit weg zog. Mein Frauchen hat ihr dann angeboten, mich zu reiten. Ich hab Heidi dann erstmal richtig getestet und bin einfach nicht gelaufen, wenn sie auf mir saß. Sie hat dann auch Reitstunden genommen und Tanja hat ihr ganz viele Tipps gegeben, wie ich einen Fuß vor den anderen bekomme.

Mit der Zeit wurde dann mein Gebocke und Erschrecken wieder mehr. Das Dressurreiten war mir einfach zu viel. Alles ging zu schnell für mich und mit dem Einrahmen kam ich auch nicht zurecht. Ich hab auch nicht richtig verstanden, warum ich meinen Kopf runter nehmen soll. So konnte ich ja auch nicht sehen, was außerhalb des Reitplatzes passiert. Also hab ich mich dazu entschlossen, die Schenkelhilfen endgültig zu ignorieren und meinen Kopf, trotz allem, wie eine Giraffe in den Himmel zu strecken. Nur so kann ich auch rechtzeitig erkennen, wann ich davon springen und laufen muss, weil zum Beispiel ein Hund mit seinem Herrchen am Reitplatz vorbei kommt oder weil ein Blatt am Busch so komisch wackelt.

Tanja und Heidi haben dann wieder Unterricht bei einer anderen Reitlehrerin genommen, die mich besser verstehen konnte und die uns früher Westernreitstunden gegeben hat. Aber auch mit ihr sind wir mit der Dressurreiterei schnell an unsere Grenzen gekommen, obwohl ich die Reitlehrerin total gut leiden konnte.

Sie haben es dann eine Weile ohne Unterricht mit mir versucht und ich habe beide regelmäßig zur Verzweiflung getrieben. Tanja kam ja mit meinem Erschrecken und Gebocke, wenn ich keine Lust hatte, mittlerweile sehr gut klar, aber für Heidi war es manchmal richtig schwer. Heidi hat sich dann aber ganz gut durchgeboxt und sich nicht von mir unterkriegen lassen.

Das Problem mit meinem Unterhals und dass ich kaum auf Schenkelhilfen reagiert habe blieb allerdings. Im Galopp hatte Heidi große Probleme, mich um den Zirkel zu bekommen, weil sie nicht so arg treiben konnte. Selten, dass wir mehr als eine Runde Galopp schafften. Heidi dachte, es liegt an ihrem Sitz und wollte auf einem braven Schulpferd ein paar Longestunden nehmen. Also haben sich die beiden im Internet auf die Suche nach einer passenden Reitschule gemacht und Tanja ist auf Susannes Homepage gestoßen. Sie hat den Link gleich an Heidi geschickt. Susanne kann zwar keine Longenstunden auf einem braven Schulpferd geben, aber die beiden dachten sich, das kann man ja trotzdem mal ausprobieren.

Susanne hat die beiden dann zu sich in den Stall eingeladen, um ihr bei der Arbeit mit ihrer Stute zu zusehen. Sie waren so begeistert, dass sie gleich Reitstunden ausmachten.

Seit Juni 2009 ist Susanne jetzt unserer Reitlehrerin. Ich hab auch schon unheimlich viel gelernt und Susanne wusste gleich, wie sie uns helfen kann. Im Schritt und Trab kann ich jetzt schon dauerhaft am Zügel und durchs Genick gehen, bin total locker, mein Rücken schwingt endlich und ich kann ohne viel treiben ganz toll laufen… sogar richtig schnell. Ich bekomme sogar regelmäßig Komplimente von Fremden, weil ich so locker bin. Und im Schritt habe ich keine Passverschiebung mehr, wenn ich mal schneller laufe. Mein Galopp lässt sich auch langsam sehen. Ich habe jetzt die richtige Muskulatur dafür und auch meine Haltung verbessert sich beim galoppieren stetig. Ich reagiere jetzt auch wieder auf den Schenkel und ich verwerfe mich nicht mehr so viel im Genick, weil meine zwei Reiterinnen die Zügel besser im Griff haben. Überhaupt ist es für mich jetzt leichter, die beiden zu tragen, weil sie viel besser auf mir sitzen.

 

Ich hab auch jetzt verstanden, dass es viel besser ist, wenn ich meinen Kopf unten lasse und dass die Welt doch nicht so schlimm und gefährlich ist. Ich erschrecke viel weniger, dafür bin ich jetzt lustiger und bocke, weil ich grade Lust hab oder eben keine.

Tanja und vor allem Heidi kommen jetzt viel besser mit mir beim reiten klar - und ich auch mit ihnen. Ich muss natürlich immer mal wieder meine Grenzen testen, hauptsächlich bei Heidi, aber die lässt sich jetzt auch nichts mehr von mir gefallen und ich muss mir regelmäßig was Neues einfallen lassen, um die beiden auf trab zu halten. Aber Susanne findet immer eine Lösung, um mir einen Strich durch die Rechnung zu machen – egal, ob bei der Bodenarbeit oder beim Reiten. Trotz alle dem, macht sogar mir die Arbeit jetzt mehr spaß als früher, auch wenn ich es nicht immer einsehe, dass ich arbeiten muss.